DER JULI IST REGNERISCH

Was eigentlich willst du, du bist immer noch auf der Höhe, die Wohnung ist riesig, in regungsloser Klarheit lebt dein Herz, bis zur Entrücktheit, die Küche, das Zimmer, die Stufen rauf und runter, raufundrunterraufundrunterraufundrunter, die Weite, die Wiese, Marienkäfer, flieg, zeig, wo das Glück uns lacht, hier und nirgends, was willst du noch, für einen Mantel sparen, eine verführerische Rotkappe sein, leidenschaftlich gepflückt, zerschnitten, gedünstet, Telefoninterviews verweigern, was ermüdet Sie am meisten im Leben, daß es ununterbrochen weitergeht, daß du Tag für Tag vorhanden bist, daß du präsent bist, hier und ohne Ausweg, verzweifelte Anstrengungen, was willst du noch, ein jeder verdient, was ihm zugestanden wird oder was noch weniger ist, ein Zigeunerjunge fliegt mit Flügeln aus Pappe über die Mülltonnen, wirklich ein jeder?, was noch, daß du ein wenig schläfst, daß du mal nach Berlin reist, einen Posten statt Fasten und Gebet, daß du zurückkehrst in deinen alten Körper, daß du dein neues Kleid spazierenträgst, daß du Wörter und Dunkelheiten anhäufst, die Verse sind kein Tag und Nacht anhaltender Kitzel und kein Blitz aus heiterem Himmel, und während ich in die Zeitungen schaue, o Gott, mag mich die Erbitterung verschonen, was denn, daß du dich liebevoll paarst mit dem, was du schuldig bist, den Inlands- und den Auslandsschulden, verzweifelte Anstrengungen, jeden Morgen um sechs öffnet dir dein Kind, der Morgenstern, die Augen mit ihren Fingerchen, Zeit zum Spielen, was willst du mehr?

Mirela Ivanova * 1962 in Sofia

Aus dem Bulgarischen von Norbert Randow
Aus: Einsames Spiel. Gedichte.
Verlag Das Wunderhorn 2000.

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