24.12.15
Mona
Enzinger
SCHNEEFLOCKEN -
Wie viel Heimkehr
ausgesendeter Wärme
KRISTALLE aus Wasseratem
Erdatem, Menschenhauch,
frostverdichtet und loeslich.

BOTSCHAFTEN,
windhin, sternher...






(Be-)Sinnliche Weihnachten
und einen gesunden Start mit sonnigem Humor ins Jahr 2016
um die Aus- und Einblicke stets zu erweitern.
Vielleicht gelingen uns dann positive revolutionäre Gedanken
über ein gesellschaftlich orientiertes Verständnis.
MONA + BERT ENZINGER



   
01.08.12
Mona
Enzinger

Wer sind nun überhaupt Salzburger? Sind Sie ansässig oder aufsässig?

Die von der Plattform:KUNST veranstaltete erste Lesung von Christoph Wilhelm Aigner aus seinem neuesten Buch „SALZBURG“ ( Hoffmann und Campe 2012) war für die Freunde der Literatur erheiternd, spannend und wissenserweiternd. Seine Erkenntnisse und Sichtweisen über das als so schön gepriesene Salzburg veränderte bei vielen Freunden der Kunst des Wortes den Blickwinkel. Dieses Buch ist kein Bildband und kein Touristenführer, sondern ein kleines, feines Buch über die gesellschaftliche Entwicklung Salzburgs ohne den Zuckerguss angepasster Gefälligkeiten.


Was ist das nur mit dieser Stadt am Fuß der Zwingburg der Macht, Schönheit, von Unerträglichkeit bewohnt, wie Erich Fried in einem Gedicht über Salzburg geschrieben hat. Witzige Anekdoten über die Erlebnisse Peter Handkes mit der Salzburger Exekutive, die Sichtweise von Thomas Bernhard über Salzburg in seiner Zeit als junger Journalist der sozialistischen Zeitung Demokratisches Volksblatt. Die Busspurbenutzung eines Heribert von Karajan. Wie die über 1200 Jahre dauernde unumschränkte kirchliche Macht über Stadt und Land im Dienst des päpstlichen Roms Salzburg nicht nur in der Architektur stark geprägt hat. Über Touristen mit Händen in den Hosentaschen und bis zur Brust offenen Hemden, gefolgt von verschleierten Frauen an einem See in Form einer Erdnuss. Über die andere Seite der sogenannten Umwegrentabiliät: Mozart starb 1791 im Alter von 35 Jahren in Wien und wurde ohne Begleitung seiner Frau oder Angehörigen in ein „allgemeines Grab“ des St. Marxer Friedhofs gelegt. Seine Frau Constanze besuchte das angenommene Grab erst siebzehn Jahre später und erst 44 Jahre nach seinem Tod gründeten ein paar kultivierte Salzburger ein Comité zur Schaffung eines Mozartsdenkmals. Bei Mozarts Auferstehung in Bronze 1842 war Constanze bereits verstorben. 1890, 99 Jahre nach Mozarts Tod wurde die „Original Salzburger Mozartkugel“ auf den Markt gebracht in Silber mit blauem Konterfei.


Und Salzburg ist nicht nur der Name für die Landeshauptstadt sondern auch für das Bundesland mit seinen fünf Gauen, auch darüber kann man einiges lesen: Wie sich die Marktgemeinde Eugendorf, trotz eineinhalbtausendjähriger Geschichte im Prinzip selbst in ein Gewerbegebiet umgewidmet hat. Irgendwo stehen nur noch die alte Kirche und das Wirtshaus.


Wie viel schöner könnte diese Stadt, dieses Bundesland sein, wenn Sie nicht nur mehr als Umschlagplatz zugunsten einiger Weniger die das Leben vieler Menschen zynisch auf eine Kosten-Nutzen-Formel reduziert haben, die alles reguliert, sodass der Begriff Freiwilligkeit nur noch auf Feuerwehren anwendbar ist. Dass die Altstadtkulisse als wunderbarer Spiegel für die sogenannte Hochkultur missbraucht wird und nicht nur ein äußerlich brilliantes Licht wirft. Der originale Salzburger an sich darf also nur ansässig sein aber nicht aufsässig!


Und so hat Aigner wohl recht, wenn er darstellt: Im Einheimischen hat sich ein besonderes Gen entwickelt. Das Salzburger Gen. Dieses Gen bestimmt die Überzeugung: Nur was von außen kommt, ist gut.
Das wichtigste ist aber nicht alleine was der Autor sagt oder hier steht, sondern vielmehr das, was sich im Kopf und Herzen jedes einzelnen Lesers herausbildet.


Zur Person

Christoph Wilhelm Aigner geboren in Wels/Österreich, lebt seit vierzig Jahren in Salzburg wo er neben dem Germanistikstudium als Mitarbeiter des ORF und dann als Redakteur des Salzburger Tagblatts arbeitete. Seit 1985 ist er freier Schriftsteller Er lebte lange in Italien. Mittlerweile pendelt er zwischen Berlin, Salzburg und Wien. Aigner wird zu den bedeutendsten zeitgenössischen Dichtern gezählt. Für sein Werk wurde er mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis und dem Würdigungspreis der Republik Österreich ausgezeichnet.


Neben Übersetzungen wurden fünf Prosabände und acht Lyrikbände veröffentlicht.

Aigner, der sich auch seit 20 Jahre mit dem Medium Polaroid beschäftigt, arbeitet die Aufnahmen zu Collagen mit lakonischen Bemerkungen aus. Humorvoll spielt er dabei mit Beziehungsgeflechten, zwischen Menschen und zwischen Mensch und Natur.















Es ist die erste gemeinsame Ausstellung der beiden, unterschiedlich positionierten Künstler Franz Xaver Angerer (Skulpturen) und Doris Felicitas Wihr (Bilder), die am Samstag, den 4. August 2012 um 20:00 Uhr in den Räumen der Unidienst GmbH, Lindenstraße 23, Freilassing, eröffnet wird. So kommt der Titel „Begegnung mit dem Anderen“ dieser Ausstellung nicht von ungefähr. Es kann also durchaus spannend für die Besucher werden. Vielleicht auch, weil Robert Friedl’s (Saxophon) musikalische Interpretationen am Eröffnungsabend als Gedankengleichheit oder als geteilte Gedanken wahrgenommen werden können.

Zu Franz Xaver Angerer

Seine Kunst ist universell. Denn seine Skulpturen besitzen selten eine einzige Hauptansicht. Von verschiedenen Richtungen betrachtet, ändern Sie wesentlich ihren Ausdruck, wechseln zwischen silhouettenhaft, plastisch und malerisch. Bedingungen und Verhältnismäßigkeiten von Nähe, Perspektive, Maß und Distanz werden in den Werken sichtbar gemacht. Seine Arbeiten manifestieren die formale Vielfalt ebenso wie die Experimentierlust sowie seine handwerkliche Bravour und Brillianz. Diese komplexe Konstellation versetzt den Betrachter in einen Zustand der Reflexion über den eigenen Zustand, bergen kritische Hinweise und laden dabei zu einer Neuformulierung von Werten ein.


Zu Doris Felicitas Wihr

Ihre Bilder sind sowohl abstrakt als auch erzählerisch und durch Anregungen bei einer Namibia-Reise 2011 entstanden. Namibia ist für Doris Felicitas Wihr pure Urlandschaft. Man glaubt, Klima und Vegetation habe sich seit Jahrtausenden nicht verändert. Sie bezieht ihre Inspiration auch aus dem genauen Studium von Felsmalereien. Die realen Größenverhältnisse stimmen dort nicht, Menschen und Tiere sind gleich groß, ungeschlechtlich und ohne erkennbare Physiognomie: Bilder von Lebewesen „ohne Eigenschaften“ , eine Gemeinschaft von Gleichen, in der Besitz -und Leistungsunterschiede- eine geringe Rolle spielen. Eine Botschaft die auf unsere Gesellschaft (noch) nicht übertragbar ist?

Es ist also eine Ausstellung sehr unterschiedlicher Objekte trotz ähnlicher Sichtweisen. Aber beide verbindet die Hoffnung, ein kleines Stück an einem gesellschaftlichen Veränderungsprozess beizutragen. Denn neue Gedanken ermöglichen eine veränderte Wahrnehmung.
   
06.07.09
Mona
Enzinger

Während das Leben sich verbesserte, wurden
ihre Gedichte immer trauriger. War Öl da
für die Maschine? Es war
der Essig in des Dichters Kelch.

Die Dosen marschierten zur Musik
des Fließbandes. Eine Billion
Münder öffneten sich. Produktion,
Produktion, schrie das

Getriebe. In den Wäldern
aus Metall war der einzige menschliche
Laut das Klagen der
Dichter um den Laubbaum Sprache.


R. S. Thomas
aus: Laubbaum Sprache/Babel Verlag
deutsch von Kevin Perryman

As life improved, their poems
grew sadder and sadder. Was there oil
for the machine? It was
the vinegar in the poets’ cup.

The tins marched to the music
of the conveyor belt. A billion
mouths opened. Production,
production, the wheels

whistled. Among the forests
of metal the one human
sound was the lament of
the poets for deciduous language.

26.05.09
Mona
Enzinger


 Ewig drehen sich die Begehrenden und Begehrten: lauter Leerstellen –
Das Leben besteht aus Gedanken-strichen –
In unserer Gesellschaft/ Jahrhundert nur striche = gestrichen
Sprechakte: gurgelndes Geschrei – Sex-akt –

Kein Individium – nur Individuelle mit einer Illusion.,-

31.03.09
Mona
Enzinger

CHRISTA MAYRHOFER, Acryl auf Leinwand, 2008
   
13.01.09
Mona
Enzinger
   
   (Be-)Sinnliche Weihnachten
und einen gesunden Start mit sonnigem Humor
ins Jahr 2009
um die Aus- und Einblicke stets zu erweitern.
Vielleicht gelingen uns dann
positive revolutionäre Gedanken
über ein gesellschaftlich orientiertes Verständnis.
MONA ENZINGER
   
09.12.08
Mona
Enzinger
DEZEMBERSKIZZEN

I
„In manchen öden, düsteren Wochen kommt die Natur in
ihrer Fruchtlosigkeit den Menschen in ihrer Dummheit nahe“.
Schwer fällt der Aufstieg über die Rücken abgestandener Stunden.
Die Nacht bricht an, mitten am Tag. Morgen und
Abend haben ihre Fingerabdrücke getauscht.
Keine Spur von beschwingten Tanzschritten,
einem Schwingen, einem Springen in Richtung
fliehende Wolken, wenn der Boden mit einemmal
nachgibt und die Beine in der Luft Halt finden.

II
Immer ein Hoffnungsschimmer. Eine Tür,
angelehnt, durch die ein Lichtstrahl fällt.
Stimmen in einem anderen Zimmer. Stimmen
in einer anderen Sprache, einer meergleichen.
Ein langer Waldspaziergang, der den Ruß
Finsterer Gedanken von einem schwemmt.
Das Wärmerwerden: eine Überraschung im leeren
Park – Ende März mitten im Dezember.
Immer ein Hoffnungsschimmer.
Schwarzweiße Zukunftsnegative umspulen,
die vielleicht nie zu Fotos werden.

III
Die Katze streift langsam über die verschneite Wiese.
Das Weiß ist weitläufig, mein Blick kann es kaum
Ermessen, und um es zu Fuß zu durchqueren,
braucht es den ganzen ungekürzten Dezember.

IV
Das Dunkel dauert immer noch an. Das dunkle Moll,
das Regengarn, der Nebentunnel, die raffgierigen
Wolken lauern aus nächster Nähe auf ihre Opfer
in den Niederungen. Ich schreibe einen Brief an
das Kind, das ich zurückließ. Doch es läßt nicht
von mir ab, es streckt jeden Tag aus dem Dämmer
seine Finger nach mir aus. Ich schreibe einen
Brief an den jungen Mann, der irgendwo am
am Wegrand sitzenblieb. Einem Erwachsenen
Die Last seiner Fehler und Tugenden überließ.
Alle drei lenken abwechselnd meine Hand.
Das Dunkel dauert immer noch an.

V
Das leere Zimmer und das leere Blatt:
Erfüllt von der gleichförmigen Brandung.

VI
Eine Glut umgibt die Wörter. Eine unsichtbare Wärme.
Wenn ich sie in den Schnee lege,
sinken sie zu Boden,
legen ihr Ohr an die Erde und lauschen.

So rufe ich den Frühling.

UROS ZUPAN
aus : Immer bleibt das Andere /Edition Lyrik Kabinett bei Hanser
   
08.12.08
Mona
Enzinger
01.12.08
Mona
Enzinger
Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf: Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los, den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert, wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen, haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft es hingegen große Banken, kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden? Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite, und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja - nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen, fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur, stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht: Dann wird bisschen Krieg gemacht.


Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne".
   
03.11.08
Mona
Enzinger
   
10.10.08
Mona
Enzinger
   
14.07.08
Mona
Enzinger
Du hast nicht die Vorstellung, etwas zu bewegen,
aber du hast die Vorstellung, etwas auszulösen,
wie der Tropfen Essenz, der das Wasser in der Tonne verändert.
Nur die Feinsinnigen können es spüren.


Johannes Jansen
Aus: Halbschlaf /Tag Nacht Gedanken – edition suhrkamp



Wenn DENKEN Farben klecksen könnte……


Manche Kunstproduktion ist noch lange nicht
auf dem
_Niveau der milliardenschweren Kunstkäufer
und die Museenführung entblösst sich als leckgeschlagener Seelenverkäufer
im Ozean des enthemmten Kapitalismus.


….. vielleicht entsteht ja gerade jetzt etwas ganz Neues?!
   
14.04.08
Mona
Enzinger





Weitsicht, Zuversicht und Übersicht für 2008







   
21.12.07
Mona
Enzinger

Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der
der Mensch wach werden soll zu sich selbst.


Alfred Delp,
(1907 - 1945 hingerichtet),
deutscher Theologe, Mitglied des Kreisauer Kreises

   
27.09.07
Mona
Enzinger
 
 „Die Welt ist ein Gefängnis, in dem die Einzelhaft vorzuziehen ist“. KARL KRAUS

Keine Sorge, Sie müssen deshalb heute Abend nicht in eine Einzelzelle.
Im Gegenteil, es erwartet Sie eine raumübergreifende Ausstellung von Andreas Pfenniger,
Stefanie Friedrich und Ulrike Höll.

Das VoiceTrio hat bereits „Kontakt“ zu den Kunstwerken aufgenommen und
wird Ihnen den individuellen Ausdruck ihrer Empfindung
mit der Performance „Identitäts-Verlust-Findung“ vortragen.

Was ist das Identität?
„Ich bin das Produkt der Gesellschaft, im besten Sinne des Wortes ein Konglomerat, ein Konstrukt,
das sich immer wieder neu situiert in einer gesellschaftlichen Situation“,
sagt Kunst- und Medienphilosoph Gerhard Johann Lischka.

Was macht die Individualität eines Menschen aus?

Die genetische Ausstattung, die man mit sich bringt ist zu etwa 50 % angeboren,
30 % verfestigen sich in früher Jugend.
Die restlichen 20 % sind „für die spätere Erziehung, Gesellschaft, Schule,
Universität noch übrig – als Spielmasse.
Die Spielmasse ist das, was jeder von uns selbst erfahren kann. Jeder wird von seiner Umwelt anders beeinflusst, sagt der Neurobiologe Gerhard Roth.
Identität sei die Summe aller Abweichungen, steht in schlauen Büchern.
Dabei sind die Uniformationstendenzen unserer schönen neuen Welt knallhart.
Der Körper ist zum modischen Werbekörper geworden. Die Kaufkraft als Kulturersatz.
Uniformität wohin man schaut, Einzigartigkeit ist schwer.

Im Medienzeitalter ist leider das (ein anderes) Image so gut wie eine neue Identität.

Die vermeintlich eigene Identität wird meistens nur an der Reaktion der anderen bemerkt.
"Ich bin: die anderen" Identität entsteht durch Abgrenzung zum anderen und der permanenten Frage:
Wer bin ich, und wer ist der andere?

Die Zukunft jedes Einzelnen liegt in ihm Selbst.
Ein Selbst jenseits der Einflüsse gibt es nicht, davon können wir uns verabschieden
Es gilt den Überfluss von Informationen auf ihren persönlichen Gebrauchswert zu reduzieren.
„Erkenne dich selbst“ heißt eine Inschrift am Apollotempel von Delphi.

„Mit Sorgfalt las er in dem Spiegelgesicht, als sei ihm daran gelegen,
über diesen fremden Menschen Auskunft zu bekommen.
Er nickte ihm zu und kannte es wieder: ja, es war er selber,
es entsprach dem Gefühl, das er von sich selber hatte.“
(Narziß und Goldmund/Hermann Hesse)

Mit dieser Ausstellung ist es den Künstlern gelungen, die eigenen Stärken und Begabungen
besser zu erkennen dadurch die Identität zu stärken und damit auch sich selbst besser sichtbar zu machen.

Diese Individualität strahlt auch jedes einzelne Kunstwerk der anwesenden Künstler aus,
die so individuell sind wie die Käufer, die diese Kunstwerke erwerben
und so im täglichen Betrachten ein Bewußtsein schaffen mögen
das eigene unverwechselbare Selbst nicht zu verdrängen, sondern zu leben.

Zeit zum Kassensturz der Werte: Heute damit anzufangen, ist gar nicht verkehrt.
Sie befinden sich in guter Gesellschaft.
Wir wünschen Ihnen einen magischen Augenblick


BEI DER AUSSTELLUNG :
WANTED IDENTITY
im „ALTEN GEFÄNGNIS“ in FREISING
 

Copyright Plattform:KUNST 2013
Zuletzt geändert am: 07. Oktober 2013.
27.09.07
Mona
Enzinger
 
 
 

 
 
10.09.07
Mona
Enzinger
 
MAN TAGT ABER ES DÄMMERT NICHT

„wir sind auf dem falschen weg
doch es gibt keinen andern“*

sagte ganz am schluss
einer ders wissen muss

aber da war der saal
beinahe schon leer

man sah weder mikrofone
noch journalisten mehr


KURT MARTI

aus ZOÉ ZEBRA, Nagel & Kimche


*solange wir dem politischen Jahrmarkt der Eitelkeiten (fast) tatenlos zusehen…

Nur eine „aktive Bürgerschaft" würde Staat und Verwaltung zwingen,
gewohnte Positionen zu überdenken und ggf. aufzugeben.
Der Wunsch, gute politische Entscheidungen herbeizuführen zum Wohle aller Bürger,
wie es beispielsweise die Verantwortungsethik postuliert -
wird sonst nie erfüllt werden.

P.S. Die EU hat im Jahre 2006 für Übersetzungen von Dokumenten 511 Mio. Euro ausgegeben
Die documenta 12 hat ein Budget von 19 Mio. Euro
 
 
 
02.07.07
Mona
Enzinger

 

 
 
 
Christa Mayrhofer, Öl auf Leinwand, 1,5 m x 1 m, 2007
 
 
 
06.06.07
Mona
Enzinger

 

 
 
"Ich dagegen wollte sein - ich sein - ich,
weder Künstler, noch Idee, noch irgendein Werk von mir -
nur ich.

Über der Kunst stehen, über Werk, Stil und Idee."
Witold Gombrowicz /Sakrilegien
 
 
 
 
 
 
 
 
11.05.07
Mona
Enzinger

 

 
 
 
Von toten Buchstaben auferstanden,
machst du erst Sinn, machst du erst Sinn,
wenn du nicht wie Erz tönst sondern aus voller Kehle ins Blaue springst.
Aber hoffe nicht, daß Engel dich fangen.
Ob du steigst oder stürzt, hängt allein davon ab,
ob deine toten Buchstaben zu Lebzeiten
Oben oder Unten die tiefere, die höhere Bedeutung beilegten.
 
RICHARD ANDERS
 
© Druckhaus Galrev
Aus: Verscherzte Trümpfe
 
 
 
 
 
04.04.07
Mona
Enzinger

 

 
 
 
Una tabula rasa; se non fosse
che un punto c’era, per me incomprensibile,
e questo punto
ti riguardava.
 
Tabula rasa. Wäre da nicht,
für mich unbegreiflich, ein Punkt gewesen,
und dieser Punkt
betraf dich.
 
Eugenio Montale, Xenien
 
 
 
 
 
 
 
06.02.07
Mona
Enzinger

 

 
 
 
 

Quelle:
www.orf.at
 
KLEINGEISTER SIND SIE JA SCHON
 
 
 
 
08.02.07
Mona
Enzinger
Über den Gartenzaun gesprochen
 
Der Ursprungsgrund von drei Weltreligionen
eine Dünendrift aus verminten Zonen -
Da empfiehlt es sich schon
in gemäßigten Ländern
durch ein selbstverfaßtes Idyll zu schlendern.
Während ich - schaut nur hin -
meine Blümchen tränke,
wieder Mordsradau in der
Dreigöttersenke -
Die knallen uns noch den Erdball entzwei
wegen ihrer dreierlei
Rechthaberei.
 
Unverbindlicher Wink übern Gartenzaun:
Bloß nicht ewig den eigenen Götzen vertraun,
und sich statt an Gebetsbüchern
dummzulesen:
Hier sind Harke,
Harke,
Schaufel und Besen,
und nach zwei-drei Jahren erblüht für jeden
vor der eigenen Haustür ein Garten Eden.
 
PETER RÜHMKORF
aus: F.A.Z. 04.01.2007
 
24.12.06
Mona
Enzinger

 

WIE ICH MIR DAS PARADIES VORSTELLE?
Als Fähigkeit, jedem das Seine zu geben,
ohne es den anderen wegzunehmen.
 
 
Auch wenn uns kein Engel begegnet:
die Königskerze an steinigem Wegrand
kann uns ein Licht aufstecken
für die grüne Botschaft der Erde.
Und die Blattrosette des Löwenzahns
strahlt als Bethlehemstern.
Christine Busta
 
Ein paradiesisches Weihnachtsfest und ein erleuchtendes 2007
 
Dezember 2006
Mona
Enzinger

 

Warum verhehlen, daß heute ein Pinsel allein ein unbeholfenes Instrument ist.
Zweifellos kann uns die Malerei die Sicht des Malers vermitteln; sein geistiges Abenteuer mit der Welt. 
Die Produktionsbedingungen/Um-Welt  bestimmen  auch das _niveau ?! 
Gerade das Verlangen, vor der (Schein-)Welt zu glänzen, ist verderblich für den Geist.
Man verausgabt sich scheinbar völlig damit, irgendeine Banalität des täglichen Lebens
auf die Leinwand hochzuschrauben und  durch Gemeinplätze kompliziert zu gestalten.
Wie immer, wenn man nicht viel zu sagen hat.
Die Sichtweise und Darstellungsart der neuen Malerei läßt nur hoffen,
dass ihr künstlerischer Ausdruck sich in der aufstrebenden 
und nicht in der niederstrebenden Phase  befindet; und doch noch von Geist gesättigt wird.

1921 malte der Russe Alexander Rodtschenko drei kleine, einfarbige Tafeln in den Grundfarben, Rot, Blau und Gelb.
Hält man sich das Datum vor Augen, wird klar, was das heisst: Avantgarde.
Es war aber nicht als Kunst gemeint, sondern als Manifestation gegen diese.
"Es soll keine Darstellung mehr geben" sagt er.
 
Oktober 2006
Mona
Enzinger
 
Auf Suche nach der Blauen Blume der Selbstvergessenheit die einem selten bloß blüht...........*
 
 
*meistens wächst nur Traumschaumkraut.......
 
 
July 2006
Mona
Enzinger

 

OFF HUMAN ODDS AND ENDS
 
Jemand nimmt sich vor, die Welt zu zeichnen. Im Lauf der Jahre bevölkert er einen Raum mit
Bildern von Provinzen, Königreichen,Gebirgen, Buchten, Schiffen, Inseln, Fischen, Zimmern,
Instrumenten, Gestirnen, Pferden und Menschen.
Kurz bevor er stirbt, entdeckt er, daß dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines
eigenen Gesichts wiedergibt.
(JORGE LUIS BORGES aus: Der Geschmack des Apfels/Hanser)
 
Der Mann kam einem sofort bekannt vor, denn er sah aus wie tausend andere.
Seine Kleidung war stets gut in Schuss; dem Glanz seines Hemdes merkte man an,
dass es täglich gewechselt wurde; er war sorgfältig rasiert und schnäuzte sich mit einem
seidenen Taschentuch. Dennoch machte er einen unangenehmen Eindruck. Selbst die
Blume in seinem Knopfloch sah irgendwie gewöhnlich aus und erinnerte an
Straßenkonzerte oder Tanzsalons.
(GEORGE GISSING aus: Was so alles geschieht/dtv)
 
ES IMMER WIEDERHOLEN.
Immer den gleichen Weg noch einmal gehen.
Beim ersten Mal gehetzt;
stolpernd und blind.
Beim zweiten Mal offenen Auges
und das Herz verschlossen wie Stein
(MADELEINE GUSTAFSSON aus: Die Lawine hinauf/Edition Akzente Hanser)
 
   
Mai 2006
Mona
Enzinger

„Kunst ist ein Mittel des Fortschrittes“
(Leo Tolstoi)

Die Fähigkeiten des Individuums
durch seine Sprache die drängenden Zeitfragen nicht nur zu benennen,
sondern auch in ihren Verlauf aktiv einzugreifen und gegen
Ungerechtigkeit, Intoleranz und Gewalttätigkeit
seine Stimme öffentlich zu erheben,
ist auch eine Kunst-FORM.

   
Mai 2006
Mona
Enzinger

 

Der spanische Avantgarde-Koch Ferran Adríà wird an der kommenden documenta* teilnehmen, wie deren Leiter Robert M. Buergel letzte Woche bekannt gab. In Kassel will man im nächsten Jahr laut Herrn Buergel "die Grenzen des Erträglichen ausloten"?! (F.A.Z)

Die Verpflichtung der Kunst gegenüber bedeutet immer auch eine Verpflichtung dem Neuen gegenüber:

 

massaker um eine handvoll reis,
höre ich, für jeden an jedem tag
eine handvoll reis: trommelfeuer
auf dünnen hütten, undeutlich
höre ich es, beim abendessen.

 

auf den glasierten ziegeln
höre ich reiskörner tanzen,
eine handvoll, beim abendessen,
reiskörner auf meinem dach:
den ersten märzregen, deutlich.

 

Hans Magnus Enzensberger
© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1964
Aus: blindenschrift. Gedichte

 

Johann Christoph Adelung, der 1782 seinen Versuch einer Geschichte der Cultur
des menschlichen Geschlechts vorlegt,
sucht das Fremdwort "Cultur" als "Verfeinerung, Aufklärung, Entwicklung der Fähigkeiten" zu begreifen.

 

*Die documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die von der Stadt Kassel und dem Land Hessen als Gesellschafter getragen und finanziert und zudem durch die Kulturstiftung des Bundes unterstützt wird.
Die Subventionen in Deutschland verfügen über ein wahres Eigenleben – sind sie erst einmal gewährt, ist an eine Kürzung bzw. gar Rücknahme nicht mehr zu denken.

März 2006
Mona
Enzinger

 

Februar 2006
Mona
Enzinger

Die Gier des Marktes spült Künstler an die Oberfläche, von denen kein Mensch weiß, ob man sich in zwei Jahren noch an den Namen erinnern kann.
Weltweit gibt es nur 300 Menschen, die im großen Stil zeitgenössische KUNST?!* kaufen.
Die Superreichen lassen die Galeristen einfliegen und führen dabei einen Krieg um die Spitzenwerke. Das Sammeln von Kunst bedeutet sozialen Aufstieg für Millionäre wie Spekulanten, Erben, Industrielle und Neureiche.
Investmenthäuser legen neue Kunst-Fonds im Dutzend auf – die Rendite ist fantastisch.
Der reelle Preis + Wert interessiert niemanden.
 Der Preis wird durch die Events, Medien und die Wanderausstellung durch die wichtigsten Museen erzielt.
Fünf Milliarden Dollar sollten angeblich 2004 mit zeitgenössischer Kunst
umgesetzt worden sein.
Laut dem Branchendienst artprice.com wuchs der gesamte Kunstmarkt
im Jahr 2004 um knapp ein Drittel.
Der Kunstmarkt verlor alle Maßstäbe - und damit die Verhältnismäßigkeit des Preises.
Mittlerweile gibt es 50 Kunstmessen weltweit.
KUNST als Entertainment für jene, die sonst alles haben – außer Geist.
 

September 2005
Mona
Enzinger

Dieser Sommer spielte nicht viele "Sonnenstrahlen";
dafür strahlte das hochkultivierte Festspielpublikum im medialen Glanz.

Ach, es war wieder alles so harmonisch. Teure Garderobe, gehobener?! Smalltalk.
Küss die Hand hier, Küss die Hand dort.
Und die Künstler heuer wieder! Weltklasse.
Die hochkarätigen Einladungen überstrahlten die künstlerischen Positionen
die im Strudel der Champagnerarien uferten.
Da war doch noch etwas. Ach ja, Der Geist und daß er oft fehlte.
Ein blasses Erinnern, dèja vu.
 

Juni 2005
Mona
Enzinger

Warum Kunst erläutern? Hat Sie es denn nötig?
Das Gehirn ist nun mal keine Quantenmaschine, sondern ein Organ,
das seine Einzigartigkeit der Vielzahl an Freiheitsgraden und wechselnden Randbedingungen verdankt.


Der Unterschied zwischen angewandter und freier Kunst ist sowieso längst überholt. Relevant sind einzig künstlerische Haltungen. Die Reanimation dessen, was in uns ist (oder auch SEIN könnte).
CONDITION HUMAINE
Die gewonnenen Einsichten, erworben durch präzises und geduldiges Beobachten der Menschen in dem Land, unter Einbezug der alltäglichen Handlungen und Rituale fließen in die Werke ein.
www.kunstdunst.de/vital.htm
www.kulturjahrderzehn.de


Respektieren, Integrieren und Aneignen des Unbekannten als Referenz nehmen:
Dann können wahrscheinlich Werke entstehen welche sich dem Prozesshaften,
der Bewegung und nicht nur einem Endprodukt verschreiben.
Das Spiel, die Recherchen an sich, stärken das Mentale und Soziale, sind Lebenselixier.

P.S:
BUSINESS ART: in dem Kontakt, Kommunikation, Information und Ereignis letztlich entscheidender sind als die primäre Produktion von Kunstwerken.
Die Kunst ist längst „umstellt von der Verwaltung und von ihr wesentlich stimuliert und initiiert“ trug der Berliner Philosoph Hannes Böhringer 1986 auf einem Symposium über „Philosophenkünstler“.
Ich muss kreativ sein im immer wieder neuen Ausdenken von Möglichkeiten, wie ich an die Leute rankomme, die das Geld geben. Das ist eine Form von Kreativität, die sich dann mal im wahrsten Sinne des Wortes auszahlt“.
„Das die Verwaltung produktiv, inventorisch, planend wird, heißt auch, dass sie quasi künstlerisch verwaltet, wenn auch auf eine technisch-designhafte Weise, dass sie selbst eine künstlerische Tätigkeit und ein Kunstgebilde geworden ist, das Autonomiestatus gewonnen hat."

Juni 2005
Mona Enzinger
.".dass die Leute im allgemeinen viel mehr ahnen und spüren,
als sie zu formulieren vermöchten…
und wenn dieses Erahnte, Gespürte formuliert vorläge, auch wüssten,
was sie geahnt und gespürt hätten ….
häufig aber gar nicht zu wissen wünschten,
was sie sozusagen schon wüssten." (Gerhard Meier aus dem Roman "Der Besuch")

Gerhard Meier sagt lieber Leute statt Menschen.
Das Wort Menschheit kommt ihm nicht über die Lippen.
Und wenn er zustimmend einen Satz von Malraux zitiert,
wonach "die einzige Rechtfertigung der Kunst darin bestehe,
den Menschen ihre verborgene Größe zu zeigen".

Unserem Kunstbetrieb tut es gut, wenn er Anstöße zum Nachdenken empfängt,
da sonst sein Selbstverständnis zur Selbstverständlichkeit verkümmern würde.
Es gibt keine erprobten, gleichmäßig gültigen und überall anwendbaren Kriterien.
Es gibt eine gesellschaftliche Übereinkunft mit „allgemeiner Zustimmung“.
„Erfolg haben, anerkannt werden ist etwas Schönes….
Besser ist es, still zu schaffen, unbekümmert um eine Wirkung nach außen, zu lernen,
weiterzuschaffen ohne zu resignieren, Kraft schöpfend aus der Wahrhaftigkeit seiner Arbeit gegenüber
und aus der Genugtuung, dass man das, was man meint unbedingt tun zu müssen, auch wirklich tut.
Zeitgenössische Kunst macht gelegentlich etwas begreifbar,
dass nicht ohne weiteres begriffen wird,
darum kommt sie einigen unbegreiflich vor.
 
April 2005
Mona Enzinger
Beobachte und sichte die Welt

Max Scheler hat einmal gemeint, Bescheidenheit sei ein Wettlauf zwischen Eitelkeit und Scham,
bei welchem die Scham siege.
Unter den Stillen im Lande gibt es viele Beschämte, die es mit der Unverschämtheit der Welt nicht mehr aufnehmen wollen.

Täuschen wir uns nicht, man kann sich auch aus Eigenliebe und aus Stolz zurückziehen um unbehelligt zu bleiben.

Wer sich einschränkt, den Umgang mit andern sich versagt, vor Geschäftigkeit und Betriebsamkeit flüchtet,
schweigsam wird im allgemeinen Gerede, ist keineswegs immer von Bescheidenheit und vornehmer Zurückhaltung.
Die Stillen aus besserer Einsicht ziehen aus ihrer Weltflucht
und ihrer Abgeschiedenheit allerlei Gewinn.

Unter den Stillen im Lande sind vermutlich die konsequenten
Selbstsucher, die unerbittlichen Verweigerer,
vielleicht aber auch die listigen Weisen zu finden.

CLEO CESARE


"Wenn wir von Scham und Stolz
Reingewaschen unsere Worte.
Wenn uns im Sonnenlicht gelingt
Der Schritt, den man im Schlaf erträumt." 


(Franco Fortini)
   

April 2005
Mona Enzinger

Das neue Programm der Salzburger Festspiele 2005 ist da.

Lauter Treibende - im eigenen Saft. Sprachlos Getriebene. In getrennten Welten.
Nur die öffentliche Subvention und die Sponsoren hält sie alle noch zusammen.

Da passt aus dem Buch "DIVA" von Brigitte Kronauer dieser Satz für Rabl-Stadler, Flimm & Co.:
“Sie stoßen also, reden wir nicht drumherum, auf Ablehnung. Würfel gefallen. Prüfung nicht bestanden, noch bevor sie den Mund aufgetan haben. ...Sie werden die Kluft zu den Zuhörern nicht überspringen. Mit feiner und gemischter Nase haben die erschnüffelt, dass es zwischen ihren eigenen Gemütern und Gehirnen und Ihren Zumutungen andererseits keine Verbindung gibt..“

Und: Das finanzielle Desaster folgt meist erst mit einigen Jahren Verspätung.
   

Oktober 2004
Mona Enzinger

EINSAMER WEG
Du denkst, du wirst verfolgt
Und drehst dich um,
Aber es ist nur das Herbstlaub,
Das dir nachläuft.
(Rainer Malkowski aus: Die Herkunft der Uhr /Hanser Verlag)

 

September 2004
Mona Enzinger

Für wen ist das neue Festspielprogramm Salzburg 2004 eigentlich interessant? Wichtig und PR-trächtig sind und waren doch nur die RUND-HERUM-Inszenierungen für die Spektakelgesellschaft und Medienlandschaft . Die "Entführung aus dem Serail" aus dem letzten Festspielsommer kommt als "Neueinstudierung" - an den Dialogen soll gearbeitet werden. Dazu fällt mir nur Folgendes ein:

Bedenklich, wenn die Theaterinszenierungen von der Werbebranche abkupfern - und das noch Jahre später, oder sich von Künstlern aus den 70ern inspirieren lassen. Es wirkt verbraucht, und leider völlig gegenwärtig. Den Ist-Zustand unserer Gesellschaft auf der Bühne wiederzufinden mag dokumentarisch wertvoll sein -zu mehr reicht er aber nicht. Die ALT-Starriege erschöpft sich in narzisstischer Selbstinszenierung, die NEU-Starriege übt den Karriereaufbau über die Medien. Ihre Visionen und fachliche Kompetenz können sie, falls vorhanden, gut verstecken. Nie kann (braucht) man lange darüber nachdenken. Allein die denkbar größtmögliche Entfernung des Bühnenbildes von der musikalischen Einheit, ist auch nichts Neues.

Die letzte Inszenierung die mich "berührt" hat - war "Ein Sportstück" von Einar Schleef am 23. Januar 1998.

Vielleicht war ich danach immer zur falschen Zeit am falschen Platz. Die Frage, wozu manche Veranstaltungen überhaupt gut sein sollen, stelle ich mir immer öfter: Sie sind meist nur zeitraubend und unverbindlich. Wo gibt es noch staunenswerte Inszenierungen, die ein Geheimnis entlocken, mögliche Lücken in unserer Fantasie füllen? Die Protagonisten der Kunst degradieren sie zu einem öffentlicher Amüsierbetrieb für die Spektakelgesellschaft*. Wichtig scheint es heute, im Ranking der Medien die Nr. 1 zu sein. Das Engagement dient der Medienpräsenz, anstelle dem künstlerischen Produkt: Wirkung ohne Ursache.

Die Kunst soll eine waghalsige Disziplin des Geistes sein. Aber: Ohne Unterhaltungskasperl zu spielen, kommt man einfach nicht in Frage. Wer DABEI sein will, muss sich Verhaltensweisen anpassen, die nicht gerade vorbildlich sind. Macht hypnotisiert. Wer seine Meinung ungeschminkt sagt, und dabei über "berühmte Menschen" Negatives sagt, wird ausgegrenzt und gilt als unverschämt. Der größte Luxus bleibt abhanden: Dazu gehört die Option auf geistige Experimente und punktuelle Verweigerung. Das Leben sollte man mit den eigenen Sinnen interpretieren, denn das Leben besteht aus so viel mehr als aus unreflektiertem Konsum oder einfältigem Luxus.

Der Begriff der Kreativität, geht über das ästhetisch Gestaltete oder das als neu Erkannte hinaus. Wie in der Kunst so auch in der Wissenschaft führen Denken und Gestalten immer wieder zu neuen, erstaunlichen und unvorhergesehenen Resultaten. Was man mit "Kreativität" aussagen will, bezieht sich auf das Erzeugen von etwas Neuem, im Sinn eines neuen Zusammenhangs, einer neuen Ordnung .

Mein TIPP für viele "KUNSTSCHAFFENDE" von Arthur Köstler: Er rühmt die fruchtbarste Region des Geistes, das Grenzland zwischen Traum und Wachen, in dem die Spielregeln des geschulten Denkens schon in Kraft sind, aber noch nicht genügend stark sind, um dem traumhaften Überschäumen der Vorstellungskraft entgegenzuwirken.

Es gibt einen Augenblick der Nacht oder des Tags, an dem selbst das Wasser sich aller Spiegelungen enthält…

Wir müssen anfangen, uns nicht mehr in den Pfützen zu spiegeln, dann bleiben wir mit uns allein, ohne Umschweife, die täuschen oder verzerren, und so getrennt von unseren Ikonen, aus uns selbst heraus einen ungesehenen Blick zu werfen, um uns erneut zu betrachten. Unser Bild aus dem Verkehr ziehen, gleicht der Rückeroberung unseres Ursprungs.

Der Luxus liegt im Denken, damit sich die Ära der fantasievollen Freiheit, Geschwindigkeit der Gedanken und die Vielschichtigkeit sozialer Vernetzung ausbreiten kann.
´
*) Es erinnert an die Schwestern von Aschenputtel, die sich zwecks Usurpation der nur ihrer Halbschwester wirklich zukommenden Position, die Füße zu einem Betrug zurecht stutzen, und sich dafür verkrüppeln. Heute herrscht die geistige Verkrüppelung.

  (Mona Enzinger, im November 2003)
 
September 2003
Mona Enzinger
MONA ENZINGER

„Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Denkvorgang gibt,
der ohne persönliche Erfahrung möglich ist“. Hannah Arendt / 1964

Die Veränderung vollzog sich innerhalb eines Sommers. (kompletter Text)
 
Mai 2003
Mona Enzinger
Die Girlande der Dummheit und Arroganz unserer Gesellschaft habe ich überwunden.....

Ich will nichts mehr hören von unserem Politiker/Beamtensumpf, unseren vermoderten Gesellschaftsschubladen jeder will ALLES und dafür für NICHTS verantwortlich/tätig sein. ich glaube nur mehr an mich und die Richtigkeit meiner Grundsätze. Ein Gesunder will sich nicht mit Bazillen anstecken lassen - ich atme den gedanklichen Pesthauch der o.a. nicht mehr ein .................. ich versuche ein aufrichtiges (Geistes-)Leben zu führen - mit kleinen Ausflügen in die KONSUMWELT und großen in die LITERATUR/MUSIK. Jeder Mensch kann versuchen, die Welt in seinem Umkreis zu verbessern. Die Welt wird sein, wie wir sie haben wollen - drum mach, was Herz und Verstand dir befiehlt. Nur wer es fertig gebracht hat, sich von den Menschen abzusondern und als einzelner Mensch zu existieren, um sich erst dann zwei, drei, zehn Bekenner/Freunde zu gewinnen, nur der lebt für mich in zulässiger Weise. Jahrelang mühen sich viele ab JEMAND zu sein - und was sind sie geworden: ge"BRAND"te Kopien. (BRAND, engl. = Marke )
 

Januar 2003
Mona Enzinger
In unseren traurigen Zeiten der gegenseitigen Verkonsumierung gibt es kaum mehr sensible Gesprächskompetenz. Mein Wunsch, und nicht nur zu Weihnachten, wären geisteserotische Vergnügen! 

Der Abgrund zwischen den aufgeblasenen Worten und dem Denken ist mittlerweile einfach zu tief. "Ich denke ja gar nichts", sagt Caroline in der 52. Szene ihres Stücks Glaube/Liebe/Hoffnung von Ö. v. Horvath, "ich sage es ja nur". Es gilt nur mehr das hochgemotzte Wort. Man will nur mehr Aktionen die richtig reinknallen, um dem Meistmenschen seine Wortlosigkeit zu vertuschen, ihm aber durch Konsum, den er unter Einsatz seiner gesamten finanziellen Mitteln aufbringt, einen vermeintlichen Selbstwert vorzuspiegeln.

Wenn jemand erhabene Worte benutzt, ist er edel; benutzt er kräftige, ist er stark; ordinäre - ordinär. Und diese stumpfsinnige Wortwörtlichkeit grassiert in allen gesellschaftlichen Kreisen. Der Mensch sollte etwas besitzen, das mit Gold und Geld nicht aufzuwiegen ist: Den Willen zur Wirklichkeit als Ausdruck des Menschen in seiner Einzahl. In unserer Verlogenheit wird Stil durch Markennamen geformt und der Glaube an sich selbst, den man zum Leben braucht, wird schon in frühester Jugend rücksichtslos bekämpft, "glauben" darf man nur an Götter, Kirchen, Parteien und Clubs. Die ungeheuere Macht der anonymen, sog. Gesellschaft, die Eigengesetzlichkeit der Sozialität, läßt sich vom Menschen nicht ändern.
Man kann sich aber selbst über den vorgegeben gesellschaftlichen Rahmen hinausentwickeln, den fundamentalistische Gesetze uns vorgeben.

Mister Peachum in Brechts Dreigroschenoper klagte bekanntlich: "Ein guter Mensch sein, ja, wer wärs nicht gern? ...doch die Verhältnisse, sie sind nicht so." Die Verhältnisse werden sich uns nicht anpasssen, aber jeder von uns selbst hat die Möglichkeit ZU SUCHEN, ZU WÄHLEN, ZU VERPASSEN und sich SELBST zu entdecken.

Einige leben auf einer Insel des Luxus, umgeben vom Ozean des Elends und trotzdem sind diese Menschen auf ihrer Insel unzufrieden. Worte über Frieden, Versöhnung, Koexistenz klingen dort wie die Lebenszeichen aus einem Schiff, das schon gesunken ist. Die Angst greift die Seelen der Menschen nicht weniger an, als Sprengstoff die Körper. Und bei den Anderen ist die Verzweiflung so groß, dass sie sich durch das, was sie für ihren Glauben halten verleiten lassen, den Ausweg im gegenseitigen Umbringen zu sehen.

Und welches Problem beschäftigt Sie? 
November  2002
Mona Enzinger
GEWINN DER EIGENTLICHKEIT

Die einzig lohnende Branche ist heute die Wirtschaftskriminalität, weil hier das Verhältnis zwischen möglichem Ertrag und Risiko viel besser ist (Hans-Magnus-Enzenberger).

Was in Paris, Peking, Tokio oder New York, letztlich fast überall auf dieser Welt fehlt, kann nicht mit Geld gekauft oder "übertüncht" werden: Geistige Größe, Courage und Edelmut.

Fließt der Geldstrom, fällt der Mangel an Ideen im Nebel einer Moral, die gegenseitige Wertschätzung und Rücksichtnahme vorgibt aber konkret Intoleranz, Machthierarchien und Rücksichtslosigkeit erleben läßt, nicht auf. Auch ein New York, die frühere Hauptstadt des Utopischen, zeigt exemplarisch, wie man so vernarrt in die Gegenwart sein kann, dass die darin lebenden Personen keinen Begriff von ihrer Zukunft zu entwickeln vermögen.

So ergeht es eben einer Gesellschaft, die über ihre wichtigsten Angelegenheiten nicht mehr selbst diskutieren und entscheiden kann: Sie fällt in die Hände von Populisten und machtgierigen Politikern mit ihren wissenschaftlichen Beratern und Agenten, wobei diese nicht aus Überzeugung oder aus ihrem Wissen heraus handeln, sondern vordergründig plausible Argumente nach dem Willen ihrer Herren liefern. Das Resultat sind verharmloste Giftskandale oder Perspektiven für Arbeitsplätze, die es in Zukunft nicht wirklich geben kann.

Politik wird erst von den Politikern zum schmutzigen Geschäft gemacht. Václav Havel sagte vor elf Jahren, Politik sei ein Bereich menschlicher Aktivität, der "erhöhte Ansprüche an das moralische Gespür stellt, an die Fähigkeit zu kritischer Selbstbetrachtung, an eine wirkliche Verantwortlichkeit, an Geschmack und Takt. An der Fähigkeit, sich in die Seele anderer hineinzuleben, an den Sinn für Maß und Demut. Sie ist eine Beschäftigung für besonders bescheidene Menschen...". Wie würde Politik aussehen, wenn alle Politiker diese Rede verinnerlicht hätten? Die nüchterne Realität ist anders. Sie sehen es offensichtlich als ihre Hauptaufgabe, sich gegenseitig falsche Wahlversprechungen vorzuwerfen und muten uns ständig das immer gleiche und mittlerweile von vielen durchschaubare Muster politischer Lügen zu.

Ist es Toleranz oder Gleichgültigkeit, wenn wir vieles schlucken und vergessen, was uns die hohe Politik so auftischt? Wird es nicht langsam Zeit, unserer Sensibilität für die Wünsche, wie das Miteinander zu gestalten ist, zu formulieren? Wir sollten uns erinnern: In der Demokratie legimitiert der Bürger den Politiker. Und es gilt, nicht zu akzeptieren, dass er vor der Wahl den ersten Diener des Volks mimt und nach der Wahl zum feudalen Herrscher desselben mutiert.

Machen wir uns die richtigen Werte zu eigen.

Was halten Sie von Menschlichkeit? Dem Namen nach, solle sie ja irgend etwas mit Menschen zu tun haben. Wenn wir uns in unserer Fantasie vorstellen können, dass ein Miteinander möglich ist, warum handeln wir nicht danach? Fragen wir nach dem wie, dann wird es wohl schon schwieriger. Allerdings gibt es gute Beispiele. Die findet man dann oft bei den "kleinen" Leuten, den Unscheinbaren. Sie sind meistens fröhlicher und zufriedener, zeigen Mitgefühl, Sinn für Menschlichkeit. Ein Ansatz?

 

July 2002
Mona Enzinger

MIR geht nichts über MICH..............

 

Juni 2002
Mona Enzinger

ART 33/BASEL 2002

(Bilder)

Es scheint, als habe Eugène Guillevic in "Gedichte" bereits 1971 die Leistung der Art Basel von 2002 vorweg beschrieben. Hat er damals die Entwicklung der Kunst schon erahnt? Schön, wie er die dort gezeigten Werte in Worte fasst - oder?

Und ich kann nicht einmal sagen: "Das sind Allegorien,
Nun! ihr wißt..."
An die Wand glaube ich, 
Notgedrungen.
Das ist nicht Allegorie,
Das ist nicht Metapher,
Das ist Realität.
Unumstößlich, unumstößlich, mindestens so
Wie die Gesetze 
Der Ökonomie.

 

Mai 2002
Mona Enzinger
KARMIN - Luxusfarbe aus Läusen für Jedermann

Wir sehen Farbe fast nie als das, was sie ist. Farbe ist deshalb ein relatives Medium der Kunst. Es gibt 105 Bezeichnungen für Rot.
Farbe ist so nicht nur ein physikalisches, sondern auch ein psychologisches Phänomen.

In sog. Fachbüchern über Malerei steht über Karmin meist "UNHALTBAR" und "MEIDEN". Ob Maler deshalb absichtlich oder zufällig Karmin selten verwenden kann man nicht beantworten.

Goethe stellt Purpur, "diese höchste aller Farberscheinungen", durch den organischen Karmin dar. "Die Wirkung dieser Farbe ist so einzig wie die
Natur. Sie gibt einen Eindruck sowohl von Ernst und Würde als von Huld und Anmut". Möglicherweise können sich im Jahr 2002 also nur noch wenige Künstler mit Ernst, Würde, Huld und Anmut identifizieren.

Der karminrote Porsche Prototyp 911 460 9067 "Wagenpass dated 29/3/74, restored LHD, Karmin red, sold to Jim Oppenheimer 1995", 
und der Wein Cos d'Estournel 1961 (St.-Esteghe) mit der Farbbeurteilung "mittleres Karmin" lassen wiederum auf eine Luxusfarbe für Reiche schliessen. Doch Karmin ist sehr sozialverträglich. Dürfen doch die "Meistemenschen" in rund 20 % der Lebensmittel das "echte Karmin" (= E 120) und das synthetisch hergestellte "cochinilla rot A" (= E 124) in rund 80 % der Lebensmittel zu sich nehmen.

...und was hätte sich geändert wenn "ROT"Käppchen ein "KARMIN"Käppchen als magischen Schutz gegen den bösen Wolf getragen hätte?

 

April 2002
Erwin Chargaff
Was ist also verschwunden, und ich weiß nicht einmal, ob es es gegeben hat? Der Glaube an die Ehrfurcht vor der Menschlichkeit des Menschen,
die Überzeugung von der Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit des einzelnen. Unsere Zeit hat es geschehen lassen, daß der Mensch zum Fetzen erniedrigt
wurde, zu einer Konsumware, " The cheapest of all Big Macs"

 

10. August 2001
Mona Enzinger
Die mächtigen stimmen (szeemann &co..) allein, die auf der biennale versuchen zu uns (-herab-?) zu sprechen, erschweren mit jedem wort den zugang zur wahrheit.....
erst wenn die schwachen sich mit ihnen mischen,
in der summe mit allen stummen und sammlern, wird hörbar, was jedem einleuchtet. 

 

06. Juli 2001
Mona Enzinger
die bäume haben verstanden. sie malen mit grünen pinseln den gruss zurück in die bläue

 

22. Juni 2001
Hegel
Dieses Verlorensein seines Bewußtsein in dem anderen, dieser Schein der Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit, durch welchen sich das Objekt erst wiederfindet und zum Selbst wird, diese Vergessenheit seiner, so daß der Liebende nicht für sich existiert, nicht für sich selbst besorgt ist, sondern die Wurzeln seines Daseins in einem anderen findet und doch in diesem gerade ganz sich selbst genießt, macht die Unendlichkeit der Liebe aus.

 

15. Juni 2001
Rainer Malkowski
Forte dei Marmi

Jetzt, sechs Uhr früh,
schenken die Straßen die Lust einer Erstbegehung.
Man folgt dem Klang der eigenen Schritte,
der schon immer ein paar Häuser voraus ist.
Nach einer Weile die Reste einer hölzernen Tribüne,
Wimpel an einer Schnur, ein Hund,
ein umgestürzter Papierkorb.
Woher die Zuversicht kommt auf einer leeren
Kreuzung mit Meerblick -
und wie lange sie bleiben wird,
stärker als Gründe;
nach offenem Wasser
ein niemals zureichend beschriebener Geruch...

 

21. Mai 2001
Gerhard Amanshauser
In der Unanständigkeit liegt ein besonderer Reiz der menschlichen Erotik. Wer sie leugnet, der zerstört auch die Scham, und damit geht ein weiterer Reiz verloren. Um die Unanständigkeit zu kompensieren, hat sich der menschliche Anstand herausgebildet.
Er führt, angesichts der Scham, zu einem skurrilen, oft reich
ausgestalteten Tanz; der rings um die "SACHE" ausgeführt wird. Dieser Tanz ist einerseits komisch oder lächerlich, andererseits führt er zu den schönsten Ausprägungen menschlicher Erotik.

 

03. Mai 2001
Eugenio Montale
Es hat nichts zu tun mit der Zeit, es ist etwas das sagt und heißt uns sagen: hier sind wir, ein Wunder unwiederholbar. Dem gegenüber ist die Jugend der abscheulichste Trug.

Non ha nulla a che fare col tempo, è qualcosa che dice che ci fa dire siamo qui, è un miracolo che non si può ripetere. Al confronto la gioventù è il più vile degli'inganni.

 

17. April 2001
Emily Dickinson
Ein leichter Frühlingswahn tut
sogar dem König selber gut,
Doch Gott gewährt dem Clown,
Die ungeheuren Szenerien,
Das ganze Probespiel im Grün
Als eignes Werk zu schaun!

A little Madness in the Spring
Is wholesome even for the King,
But God be with the Clown -
Who ponders this tremendous scene
-
This whole Experiment of Green
As if it were his own!

12. Januar 2001
Clement Greenberg

Wir haben genug vom wilden Künstler - der inzwischen zu einem der gängigen, dem Selbstschutz dienenden Mythen unserer Gesellschaft geworden ist: Wilde Kunst ist zwangsläufig irrelevant. Wir bedürfen einer viel größeren Infusion von Bewußtsein in das, was wir das Schöpferische nennen.

 

01. Januar 2001
Mona Enzinger
.... hat der Geist sich lange genug genährt, kann er schöpferisch tätig werden ... 

 

26. Oktober 2000
Mona Enzinger 
...... es geht nicht darum sich voranzubringen, sondern  sich  selbst  näherzubringen  und zu unseren eigenen Zwecken dienstbar zu machen. Jede Enttäuschung als optimistischen Neubeginn zu sehen und dadurch eine scharfsinnigere Sicht der Welt zu bekommen...................wer denkt überspringt  die  Sphäre  der  arroganten Gesellschaft genauso wie die des akademischen Spießertums.

Mein neuester Modetipp: 

Schutzmantel der Erkenntnisse

 

28. August 2000 TRANSPARENZ -
AUF DIE SPITZE GETRIEBEN
Die Spezialisten der römischen Alta Moda versuchen mit allen Mitteln, ihre facettenreiche Wintermode 2000/2001 ins Gespräch zu bringen.
Die Spezialisten der deutschen CDU versuchen mit allen Mitteln, ihre facettenreiche Spendenverwaltung 1983/2000 
zu vertuschen.
(frei nach Süddeutsche Zeitung Sa./So. 26./27.08.00)
08. August 2000
C. W. Aigner, 2000

Kreislauf

Das was Kunst genannt wird, ist also nicht am Ende, sondern wird, wie seit tausend Jahren, wieder Neues schaffen, das schon da gewesenes ist (was sich im Kreis bewegt, geht gleichzeitig vorwärts und zurück): wenn nämlich Museen mit Museen vollgestopft sind und man draufkommt, dass das modernste und bewährteste Museum der Welt die Welt selbst ist.

 

14. Juli 2000
Mona Enzinger

Com.Postmoderne

Nach all den merkwürdigen Sammelbezeich- nungen der jüngsten hundert Jahre zwischen der so genannten Moderne und der so genannten Postmoderne (Impressionismus, Neoimpres- sionismus, Kubismus, Dada, Surrealismus...Pop Art, Minimal Art ...) wäre es folgerichtig, denn was sonst könnte die Postmoderne ablösen: eine Kompostmoderne, COM.POSTMODERNE. Wonach wir wieder im natürlichen Kreislauf gelandet wären. Man muss keinen Niedergang konstatieren, denn es gibt trotz all der herrschenden Beliebigkeit immer wieder beglückende Leistungen, kann aber Auflösungserscheinungen bemerken. Das mag nicht unbedingt nachteilig sein, denn auch der Kompost bietet bei Zerfall und Gärung neuem Leben Nahrung.

 

30. Juni 2000
Michel Houellebecq, 1995

Die Kunst als Enthäutung

...Man bedauert Josef Beuys mit seinen von Großzügigkeit zeugenden Arbeiten. Nichtsdestotrotz ist das Zeugnis, das hier (Anm.: eine Veranstaltung der Kunsthochschule Avignon) über unsere Zeit abgelegt wird, von fast unerträglicher Präzision. Den ganzen Abend dachte ich darüber nach, ohne um folgende Feststellung herumzukommen: Die Gegenwartskunst deprimiert mich zwar, aber mir ist klar, dass sie der bei weitem beste Kommentar jüngeren Datums zur Lage der Dinge ist. Ich träumte von Mülltüten, aus denen Kaffeefilter, Obst- und Gemüseschalen, Fleisch mit Soße quollen. Ich dachte an die Kunst als eine Enthäutung, an die Fleischstücke, die an der Haut kleben bleiben.

(aus "Die Welt als Supermarkt", DuMont Buchverlag, 1999)

 

März 1999
Mona Enzinger

Der Kunstführerschein

Es gilt, Kunst und Leben aneinander anzunähern. Die Kunst ermöglicht eine Art der Kommunikation, wie sie für unsere Gesellschaft einmalig ist. Sie öffnet uns neue Denkräume und Wahrnehmungsmöglichkeiten. Der Kunstführerschein postuliert vier Thesen zur sozialen Bedeutung der Kunst. Eine Diskussions-Plattform soll dieses Thema weiter ausführen...(mehr)